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NachtschattengewÀchse
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Die NachtschattengewĂ€chse (Solanaceae) sind eine Familie der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliopsida). Zu ihr gehören etwa 90 bis 100 Gattungen, die Zahl der zugehörigen Arten wird mit etwa 2700cite-ref-olmstead07-1-0[1] angegeben. Die gröĂte Gattung innerhalb der Familie sind die Nachtschatten (Solanum), zu denen meist circa 1000 bis 2300 Arten gezĂ€hlt werden. Innerhalb der Familie gibt es sowohl wichtige Nahrungspflanzen als auch Zierpflanzen; durch den Gehalt an Alkaloiden und Steroiden gelten sie auch als bedeutende Medizin-, Rausch- und Kultpflanzen. Charakteristische Merkmale sind vor allem die fĂŒnfzĂ€hligen BlĂŒten mit verwachsenen KelchblĂ€ttern, teilweise verwachsenen KronblĂ€ttern, fĂŒnf StaubblĂ€ttern und meist zwei miteinander verwachsenen FruchtblĂ€ttern. Die FrĂŒchte der NachtschattengewĂ€chse sind meist Beeren oder KapselfrĂŒchte.
Contents
âą Namensherkunft
âą Beschreibung
âą Habitus
⹠BlÀtter
âą FrĂŒchte
âą Samen
âą Verbreitung
âą Chromosomenzahl
âą Systematik
âą Inhaltsstoffe
âą Alkaloide
âą Steroide
âą Nahrungsmittel
âą Zierpflanze
âą Hauptquellen
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
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Namensherkunft
Sowohl der deutsche als auch der wissenschaftliche Name der Familie leitet sich vom Namen der Gattung Nachtschatten (Solanum) ab. Die ZusÀtze -aceae bzw. -gewÀchse weisen auf den Familienstatus hin.
Der Name Nachtschatten leitet sich vom althochdeutschen nahtscato bzw. mittelhochdeutschen nahtschade ab. FĂŒr die Deutung des Namens gibt es mehrere Hypothesen. Zum einen könnten mit ânĂ€chtlicher Schattenâ die dunklen Beeren des Schwarzen Nachtschattens gemeint sein, andererseits ist auch die medizinische Wirkung der Pflanzen eine mögliche Herleitung. Otto Brunfels schreibt 1532 in seinem Contrafayt KreĂŒterbuch: âDiĂ kraut wĂŒrt auch sonst gebraucht, wider die schĂ€den die die hexen den leuten zufĂŒgen, und das uff mancherley weiĂe, noch gelegenheit des widerfarenden schadens, nicht on sonderliche supersticion und magia. WĂŒrt deĂhalb in sonderheyt Nachtschatt genannt.âcite-ref-marzellzit-2-0[2] Johann Christoph Adelung (1808) sieht den Ursprung des Namens in Verbindung mit den Kopfschmerzen (Schaden), welche die nachts stark duftenden BlĂŒten der Pflanzen verursachen.cite-ref-marzell-3-0[3]
Siehe auch
:
Albtraum â Etymologie
Der Name Solanum wurde durch LinnĂ© von anderen Autoren ĂŒbernommen, die damalige Bedeutung umfasste unter anderem Tollkirsche (Atropa), Paprika (Capsicum), Stechapfel (Datura), Blasenkirschen (Physalis) und Nachtschatten (Solanum). Zum Teil wurden jedoch auch ganz andere Pflanzengruppen diesem Namen untergeordnet, beispielsweise Wunderblumen (Mirabilis), Einbeeren (Paris) und Kermesbeeren (Phytolacca). Die Herkunft des wissenschaftlichen Namens ist ebenso wie die des deutschen Namens nicht geklĂ€rt. Die Verbindung zum lateinischen sĆl (Sonne), die von einigen Autoren genannt wird, ist laut Helmut Genaust nicht anzunehmen, wahrscheinlicher ist die Ableitung vom lateinischen sĆlÄrÄ« (trösten, lindern), was auf die medizinische Wirkung geringer Dosen von NachtschattengewĂ€chsen hinweisen könnte.cite-ref-genaust-4-0[4]
Beschreibung
Habitus
NachtschattengewÀchse sind einjÀhrige, zweijÀhrige, mehrjÀhrige oder ausdauernde Pflanzen, die sowohl krautig als auch seltener verholzend wachsen können. Meist erreichen sie Wuchshöhen von 0,5 bis 4 m, jedoch gibt es auch Vertreter, die als Lianen mit bis zu 15 m LÀnge oder als kleine BÀume 5 bis 10 m, in Ausnahmen bis zu 25 m Höhe erreichen. Daneben gibt es auch pygmÀische Vertreter (z. B. Solanum euacanthum oder Petunia patagonica), die nur Wuchshöhen von 5 bis 20 cm erreichen. NachtschattengewÀchse wachsen meist aufrecht, teilweise kletternd, epiphytisch oder hemiepiphytisch, nicht selten auch myrmecophil. Es gibt einige niederliegende Vertreter (vor allem die Gattungen Lycianthes und Exodeconus), selten sind wie bei den Alraunen (Mandragora) Rosettenbildungen zu beobachten. Die Sprossachse ist normalerweise massiv, teilweise aber auch hohl, beispielsweise bei den Gattungen Markea, Giftbeeren (Nicandra), Deprea oder Witheringia. Der Sprossaufbau ist oft aufgrund von Verwachsungen und Verschiebungen der Achsen und BlÀtter schwer durchschaubar.
NachtschattengewĂ€chse bilden verschiedene Wurzeltypen aus, unter anderem dicke, fleischige Pfahlwurzeln, fĂŒr die beispielsweise die Alraunen (Mandragora) bekannt sind, Wurzelsysteme mit Adventivwurzeln (bei den Leptoglossis sowie bei diversen Arten der Blasenkirschen (Physalis) und Nachtschatten (Solanum)), mit extremen Anschwellungen (in der Gattung Lycianthes) oder mit Knollen oder Stolonen (vor allem in der Solanum-Sektion Petota). Selten treten auch Rhizome auf, unter anderen bei den Salpichroa und Nectouxia.
Vor allem an den BlĂ€ttern und Sprossen, gelegentlich auch an den BlĂŒten, bilden viele NachtschattengewĂ€chse eine Behaarung aus Trichomen aus. Da diese Behaarung sehr unterschiedlich ausfĂ€llt, dient sie als ein wichtiges morphologisches Merkmal zur Bestimmung und Klassifizierung. Eine hĂ€ufig vorkommende Form sind einfache, drĂŒsige Trichome. Diese können wie in der Solanum-Sektion Rhynchantherum, der Untertribus Nierembergiinae einen einzelligen Kopf oder auch einen mehrzelligen Kopf â wie etwa bei diversen Arten des Tabak (Nicotiana) â besitzen. Verzweigte Trichome können entweder baumartig verzweigen oder mit quirlartigen Zweigen besetzt sein, ersteres ist unter anderem in den Gattungen Sessea und Juanulloa zu finden, letzteres tritt in den Anthocercidoideae auf; in der Solanum-Untergattung Brevantherum sind auch sternförmige, seeigelförmige oder schildförmige Trichomköpfe zu finden. Stacheln treten nur in der Solanum-Untergattung Leptostemonum auf. Bei jĂŒngeren Trieben der Saracha treten brĂ€unliche, baumartig verzweigte, mehrzellige Emergenzen auf. Kristallsand ist vor allem in den Pflanzen der Unterfamilie Solanoideae zu finden, unter anderem in den Triben Atropeae, Jaboroseae, Solaneae, Datureae, Lycieae und Hyoscyameae.
BlÀtter
Die wechselstĂ€ndigen LaubblĂ€tter sind meist ganzrandig, oft unregelmĂ€Ăig gezĂ€hnt oder gespalten. Sie sind normalerweise einfach, gelegentlich auch zusammengesetzt, dann unpaarig gefiedert oder dreiteilig, immer nebenblattlos. Gelegentlich treten dicke und ledrige BlĂ€tter auf. Die BlĂ€tter stehen einzeln, manchmal in Quirlen aus drei BlĂ€ttern oder in BĂŒscheln aus drei bis sechs BlĂ€ttern. Es gibt sowohl aufsitzende BlĂ€tter als auch solche mit Blattstielen.
BlĂŒtenstĂ€nde und BlĂŒten
Die BlĂŒten sind zum Teil einzelstehend, meist aber in verschiedenen geformten BlĂŒtenstĂ€nden, teilweise mit bis zu 200 BlĂŒten. Die BlĂŒten oder BlĂŒtenstĂ€nde stehen in den Sprossachseln (axillar), auĂerhalb der Achseln (extra-axillar), den BlĂ€ttern gegenstĂ€ndig, terminal (dabei oft in scheinachseligen Gruppen, die zu lockeren Rispen oder engen Trauben geformt sind) oder in vielblĂŒtigen terminalen Rispen, manchmal auch bĂŒschelweise in Gruppen. In der Untergattung Lyciosolanum der Nachtschatten (Solanum) fehlen die BlĂŒtenstiele, StammblĂŒtigkeit ist nur aus der Gattung Dyssochroma bekannt.
Die lĂ€ngsten BlĂŒtenstĂ€nde kommen in den Gattungen Cuatresia (bis 25 cm) und Merinthopodium (bis zu 90 cm) vor. In den meisten FĂ€llen sind die BlĂŒten der NachtschattengewĂ€chse zwittrig, nur in Ausnahmen gibt es zweihĂ€usige Pflanzen, dazu gehört mindestens je eine Art in Dunalia und Withania, zwei Arten in Symonanthus und je vier Arten in den Gattungen Deprea und den Bocksdornen (Lycium). In der Gattung der Spaltblumen (Schizanthus) gibt es auch andromonoezische Pflanzen, das heiĂt, sie haben sowohl zwittrige als auch mĂ€nnliche BlĂŒten an einer Pflanze. Die BlĂŒten sind meist fĂŒnfzĂ€hlig, selten vier- oder sechs- bis neunzĂ€hlig.
Die BlĂŒtenformel ist â â {\displaystyle \star } bis â â K ( 5 ) [ C ( 5 ) A 5 ] G ( 2 ) _ _ {\displaystyle \downarrow K_{(5)}\;{[C_{(5)}\;A_{5}]}\;\ G_{\underline {(2)}}} , Abweichungen werden im Folgenden erwĂ€hnt.
Kelch
Der Kelch ist meist radiĂ€rsymmetrisch, nur selten monosymmetrisch (zygomorph) wie bei den Engelstrompeten (Brugmansia). Die KelchblĂ€tter sind miteinander verwachsen, der Kelchrand ist ganzrandig oder mit fĂŒnf bis zehn geraden ZĂ€hnen versehen. In den meisten FĂ€llen bleibt die GröĂe des Kelches nach der BlĂŒhphase konstant, jedoch ist eine VergröĂerung des Kelches sehr oft in der Familie zu finden. Teilweise ist diese VergröĂerung so stark, dass der Kelch sich um die Beere oder Kapsel herum vergröĂert, bis er fast geschlossen ist und die Frucht fast vollstĂ€ndig einschlieĂt. Diese KelchvergröĂerung tritt beispielsweise in den Gattungen der Blasenkirschen (Physalis) oder Quincula auf. Eine andere Art der KelchvergröĂerung kommt unter anderem in den Gattungen Chamaesaracha und Leucophysalis vor, hier liegt der Kelch eng am Perikarp der Frucht an, ist jedoch meist nach oben offen. Selten wölbt sich der Kelch nach auĂen und gibt so die reife Frucht frei, dies tritt vor allem in der Gattung Jaltomata auf.
Krone
Die KronblĂ€tter sind, wie auch die KelchblĂ€tter, miteinander verwachsen. Teilweise sind sie wie in der Gattung Melananthus mit 2,5 bis 8 mm sehr klein, können aber beispielsweise in der Gattung Solandra auch 100 bis 370 mm lang werden. Die Kronen sind normalerweise radiĂ€rsymmetrisch, nur selten zygomorph, beispielsweise in der Tribus Browallieae und in den Gattungen Rahowardiana oder Schultesianthus, manchmal ist die Krone sogar zweilippig (Spaltblumen (Schizanthus)). Als BlĂŒtenformen treten vor allem auf: radförmig, sternförmig, röhrenförmig, trichterförmig und ĂŒberbecherförmig.
Androeceum
Der Androeceum genannte mĂ€nnliche BlĂŒtenanteil besteht meist aus fĂŒnf, nur sehr selten aus vier (Nothocestrum) oder zwei (Spaltblumen (Schizanthus)) StaubblĂ€ttern. Sie stehen in nur einem Kreis, sind untereinander nicht verwachsen. Sie sind zwischen den KronblĂ€ttern angeordnet und sind mit ihnen verwachsen. Bei vielen Vertretern sind in einer BlĂŒte StaubblĂ€tter unterschiedlicher LĂ€nge zu finden, jedoch sind gleich lange StaubblĂ€tter Ă€hnlich hĂ€ufig. Zum Teil ĂŒberragen die StaubblĂ€tter die restliche BlĂŒte (Vestia, Dunalia), jedoch können sie auch innerhalb der BlĂŒte liegen (Lycianthes, Juanulloa etc.)
Antheren
Die Staubbeutel (Antheren) bestehen meist aus zwei Theken. Es gibt sowohl mit 0,2 bis 2 mm LĂ€nge kleine (Deprea, HammerstrĂ€ucher (Cestrum), Tribus Schwenckieae usw.) als auch groĂe Antheren (6 bis 13 mm bei Solandra oder 12 bis 40 mm bei Engelstrompeten (Brugmansia)). Sie sind fĂŒr gewöhnlich gerade, Ausnahmen sind die Gattung Normania und die Art Solanum pennellii, welche gebogene Antheren besitzen. Die Theken sind im Allgemeinen gleich groĂ, in Ausnahmen, wie bei Schwenckia, Melananthus, Heteranthia oder Normania geschwungen. Durch VerkĂŒmmerung jeweils einer der Theken sind die Antheren der Tribus Browallieae deutlich unsymmetrisch. Meist sind die Antheren unbehaart, in den Gattungen HammerstrĂ€ucher (Cestrum) und Hawkesiophyton sind sie mit Papillen besetzt, in einigen Gattungen existieren Vertreter mit â im Vergleich zu den Antheren â relativ groĂen, einfachen Trichomen auf den Antheren (Datureae, Giftbeeren (Nicandra), Streptosolen, Solanum pennellii sowie bei Tomaten (Solanum lycopersicum)).
StaubfÀden
Die StaubfĂ€den sind normalerweise gerade und zylindrisch oder leicht zusammengedrĂŒckt. Eine Ausnahme ist die Gattung Browallia mit gekrĂŒmmten und abgeflachten StaubfĂ€den. Die StaubfĂ€den sind Ă€hnlich lang oder lĂ€nger als die Antheren. Davon abweichend sind die Gattungen Nothocestrum mit stark reduzierten, fast inexistenten StaubfĂ€den, Hawkesiophyton mit sehr kurzen StaubfĂ€den, Nectouxia mit laminar vergröĂerten StaubfĂ€den und Vestia mit sehr langen StaubfĂ€den. Die LĂ€nge der StaubfĂ€den einer BlĂŒte ist im Allgemeinen gleich, aber es kommen auch unterschiedlich lange StaubfĂ€den vor, beispielsweise bei Lycianthes, Capsicum campylopodium, Fabiana, Vestia und anderen. Didynamie (das Auftreten zweier unterschiedlicher Typen von StaubfĂ€den innerhalb einer BlĂŒte) tritt unter anderen bei Anthocercis, Crenidium, Cyphanthera und Duboisia sowie in der Unterfamilie Salpiglossideae auf. Manchmal sind die StaubfĂ€den oder ihr oberer Teil zum BlĂŒteninneren gebogen (u. a. bei den Tribus Atropeae und Mandragoreae sowie bei diversen Arten der Gattung Jaborosa), sind schrĂ€g geneigt (Schultesianthus, Solandra) oder am oberen Ende verbreitert (in der Tribus Jaboroseae). Weiterhin kommen knieförmig umgebogene StaubfĂ€den sowohl am oberen (unter anderem in den Giftbeeren (Nicandra), HammerstrĂ€uchern (Cestrum), Petunien (Petunia), Fabiana, Sessea und Trianaea) als auch am unteren Ende (Petunien (Petunia), Fabiana und Streptosolen), sowie hakenförmige StaubfĂ€den (Jaboroseae) vor.
Pollen
Die Pollenkörner der NachtschattengewĂ€chse kommen in sehr vielen unterschiedlichen Gestalten vor, so dass sie auch als ein wichtiges morphologisches Merkmal zur Bestimmung herangezogen werden können. Erster Unterscheidungspunkt ist die GröĂe der Pollenkörner â sie können klein (Latua, Hawkesiophyton, Fabiana, Tribus Lycieae und andere), mittelgroĂ (Sessea, HammerstrĂ€ucher (Cestrum), Juanulloa, Rahowardiana und andere) und auch groĂ (Metternichia, Vestia, Merinthopodium, WeiĂbecher (Nierembergia)) sein. Die absoluten GröĂen reichen dabei von ca. 20 ”m bei den kleinen bis zu ca. 70 ”m bei den groĂen Pollenkörnern. Weiterhin gibt es starke Unterschiede im Aussehen der PollenkornoberflĂ€che. Die Ă€uĂere Pollenwand (Exine) kann Ubisch-Körper (eine Schicht von PlĂ€ttchen auf der PollenkornoberflĂ€che) besitzen (Markea sessiliflora, Markea venosa, sowie diverse Arten von Schultesianthus) oder nicht (Trianaea, Juanulloa, Dyssochroma, Solandra, Rahowardiana), kann stachelig (Metternichia, Alraunen (Mandragora)), faltig (Sessea), netzartig-faltig (Merinthopodium), gerillt oder glatt (HammerstrĂ€ucher (Cestrum)), glatt (Rahowardiana), glatt oder schwach gekörnt (Nothocestrum), schuppig (Hawkesiophyton, Juanulloa), gedoppelt oder gerillt (Trompetenzungen (Salpiglossis)), feinstachelig (Lycianthes), papillar oder warzig (Normania) sowie netzartig (Dyssochroma) sein.
Gynoeceum
Bei den BlĂŒten der meisten NachtschattengewĂ€chse besteht der weibliche BlĂŒtenanteil, das Gynoeceum, aus zwei verwachsenen FruchtblĂ€ttern, welche meist schrĂ€g zur Medianebene der BlĂŒte stehen. Es gibt jedoch mit der Gattung der Giftbeeren (Nicandra) und zwei Arten der Gattung Jaborosa sowie Trianaea auch Gymnoeceen mit drei bis fĂŒnf FruchtblĂ€ttern, die Art Iochroma umbellatum besitzt vier, die Gattung Nolana fĂŒnf FruchtblĂ€ttercite-ref-dillon07-5-0[5] und die Gattung Melananthus besitzt wahrscheinlich nur ein Fruchtblatt. In einigen kultivierten Formen, beispielsweise der Tomate (Solanum lycopersicum), kommen auch gröĂere Zahlen von FruchtblĂ€ttern vor.
FruchtblÀtter
Die verwachsenen FruchtblĂ€tter bilden einen oberstĂ€ndigen Fruchtknoten, nur die Gattungen StechĂ€pfel (Datura), Solandra und Nothocestrum haben teilweise unterstĂ€ndige Fruchtknoten. Bis auf kleine drĂŒsige (Athenaea) oder starre (Browallia) Trichome, sowie kleine fleischige Dornen (StechĂ€pfel (Datura)) sind die Fruchtknoten kahl. Normalerweise besitzt der Fruchtknoten genau so viele FruchtknotenfĂ€cher wie FruchtblĂ€tter, Ausnahme davon sind die Trianaea mit acht bis zehn und die Solandra mit vier FruchtknotenfĂ€chern. Daneben gibt es in zwei Gattungen Fruchtknoten mit teilweise vier FruchtknotenfĂ€chern: bei den Grabowskia in der oberen HĂ€lfte, bei den Vassobia in Teilen der unteren HĂ€lfte.
Nektarien
Normalerweise befindet sich am Boden der Fruchtknoten HonigdrĂŒsen (Nektarien), die wie in den Benthamiella und einigen Bocksdornen (Lycium) verdeckt sein, oder auch wie bei den WeiĂbechern (Nierembergia) und der Untertribus Solaninae komplett fehlen können. Wenn HonigdrĂŒsen vorhanden sind, sind sie im Allgemeinen ringförmig und leicht hervorstehend, nur in den Giftbeeren (Nicandra) sind sie umschlossen. Es existieren jedoch auch zwei Varianten eingestĂŒlpter HonigdrĂŒsen: beckenförmig-eingestĂŒlpt, ohne Lappen oder Einschnitte in der Gattung Schwenckia oder zweilappig-eingestĂŒlpt mit zwei Lappen und zwei Einschnitten, wie es in der Untertribus Nicotianinae und den Gattungen Bouchetia, Phrodus und einigen anderen zu finden ist. Eine weitere Variante von HonigdrĂŒsen ist die dick-kissenförmige der Protoschwenckia.
Samenanlagen
Die Samenanlagen stehen an einer recht fleischigen Plazenta und können sowohl umgewendet (z. B. in Metternichia und den WeiĂbechern (Nierembergia)), umgewendet bis krummlĂ€ufig (Phrodus, Grabowskia und Vassobia), halb umgewendet (HammerstrĂ€ucher (Cestrum) und andere) oder halb krummlĂ€ufig (Paprika (Capsicum), Spaltblumen (Schizanthus), Bocksdorne (Lycium) und andere) sein. Normalerweise sind in jedem Fruchtknotenfach viele Samenanlagen zu finden, zum Teil sind es aber auch deutlich weniger, beispielsweise in Grabowskia mit zwei Samenanlagenpaaren in jedem Fruchtknoten, oder in den Bocksdornen (Lycium) mit nur einem Samenanlagenpaar je Fruchtknoten. Als Ausnahme gilt die einzelne Samenanlage, wie sie in der Gattung Melananthus auftritt.
Griffel
Die Form des Griffels ist normalerweise zylindrisch, manchmal gestaucht (Bouchetia) oder mit zwei seitlichen AuswĂŒchsen am oberen Ende versehen (Unterfamilie Salpiglossoideae und Untertribus Leptoglossinae), gelegentlich terminal (Salpichroa, Saracha, Eriolarynx und andere) oder in einer Zwischenform zwischen terminal und gymnobasisch (Vassobia, Jaborosa, Paprika (Capsicum), Dunalia und andere). Der Griffel ist fĂŒr gewöhnlich massiv, nur gelegentlich hohl mit einem Griffelkanal (Trompetenzungen (Salpiglossis), Bouchetia und andere), normalerweise glatt oder stark runzelig (Browallia). Selten ist er mit den Fruchtknoten verbunden (Withania, Triguera, Tubocapsicum). Manchmal treten zwei verschiedene GriffellĂ€ngen an der gleichen Pflanze auf (Aureliana, Athenaea, Capsicum baccatum var. umbilicatum und andere). Ausnahmen bilden auch Discopodium und Jaborosa ameghinoi, an deren Griffeln anthrorse Trichome zu finden sind.
Narbe
Die Narbe ist gewöhnlich scheibenförmig und leicht kopfförmig oder kopfförmig-gelappt (Giftbeeren (Nicandra), Alraunen (Mandragora)), selten fast kugelig oder halbkugelig wie in der Gattung Paprika (Capsicum), manchmal sattelförmig (Datureae, Juanulloeae, Nothocestrum und andere). Ausnahmen sind fĂŒnfteilige Narben wie bei Jaborosa odonelliana oder zweilappige Narben (Normania). Innerhalb der Familie treten sehr kleine und unauffĂ€llige Narben (Spaltblumen (Schizanthus)), aber auch relativ groĂe Narben (Ectozoma) auf. Sie sind fĂŒr gewöhnlich drĂŒsig und feucht, Ausnahmen davon sind die drĂŒsenlosen Narben der Spaltblumen (Schizanthus) und Nierembergia linariaefolia und die trockenen einzelligen DrĂŒsen von Solandra.
FrĂŒchte
Die FrĂŒchte sind meist vielsamige Beeren oder verschiedenförmige Spaltkapseln (in der Gattung Markea, der Unterfamilie Cestroideae und anderen), zum Teil kommen auch Zwischenformen zwischen beiden Fruchttypen vor. Ausnahmen sind die Deckelkapseln in der Tribus Hyoscyameae, die SteinfrĂŒchte in einigen Vertretern der Tribus Lycieae, sowie die SammelfrĂŒchte der Gattung Nolana.cite-ref-dillon07-5-1[5]
Obwohl entwicklungsgeschichtlich die Kapsel die ursprĂŒnglichere Fruchtform ist, kommen sie heute nur noch in einigen basalen Kladen und in der Gattung der StechĂ€pfel (Datura) vor. Die in der Familie ĂŒberwiegenden Beeren haben phylogenetischen Untersuchungen zufolge drei verschiedene Quellen, was entweder auf eine monophyletische Klade, in der die Eigenschaft der Beerenbildung dreimal verloren wurde, oder auf eine dreimalige Entwicklung der gleichen Eigenschaft hinweist.cite-ref-knapp02-6-0[6]
Oftmals sind die FrĂŒchte nicht sehr groĂ, teilweise unter 1 cm Durchmesser, jedoch können beispielsweise kultivierte Sorten von Tomaten und Auberginen FrĂŒchte mit einem Gewicht von mehreren Kilogramm haben. Doch auch bei wildwachsenden Vertretern können sehr groĂe FrĂŒchte vorkommen, so hat die Frucht von Solanum lycocarpon einen Durchmesser von bis zu 15 cm.cite-ref-knapp02-6-1[6]
Bei den beerenartigen FrĂŒchten können sich das Perikarp und die Plazenta soweit vergröĂern, dass sie miteinander komplett verschmelzen, so zum Beispiel in den Gattungen Tubocapsicum, Acnistus oder Iochroma, sowie bei den Tomaten (Solanum lycopersicum) und anderen Arten der Nachtschatten (Solanum). Es kommt allerdings auch oft vor, dass beide Strukturen nicht verschmelzen, so dass im Inneren der Frucht ein Hohlraum entsteht, beispielsweise bei den Paprika (Capsicum), Schultesieanthus, Lycianthes rantonnei und anderen.
Das Perikarp kann dick und saftig sein und Steinzellen enthalten (Witheringia, Acnistus, einige Blasenkirschen (Physalis)) oder nicht (die meisten Blasenkirschen (Physalis), Jaltomata, Tomaten (Solanum lycopersicum)). Es kann aber auch dĂŒnn und ohne Steinzellen aufgebaut sein, wie in den Gattungen Chamaesaracha und Quincula oder nur kleine Steinzellen besitzen, wie in der Gattung Darcyanthus. In AusnahmefĂ€llen ist das Perikarp zerbrechlich und bricht leicht in unregelmĂ€Ăige StĂŒcke, so zum Beispiel bei Quincula und Chamaesaracha.
Die KapselfrĂŒchte öffnen sich entweder durch Zerbrechen der Scheidewand mit zwei oder vier Klappen (StechĂ€pfel (Datura)), springen scheidewandspaltig (Petunien (Petunia), Fabiana) oder scheidewand- bis fachspaltig (in der Unterfamilie Salpiglossoideae und den Gattungen Metternichia, Tabak (Nicotiana) und der Unterfamilie Anthocercidoideae) auf.
Die Anzahl der Samen je Frucht schwankt sehr stark: WĂ€hrend in der Gattung Tabak (Nicotiana) bis zu 5000 Samen zu finden sind, sind es in der Gattung Petunien (Petunia) bis zu 1200, in den Fabiana etwa 30 bis 50 und in den Metternichia vier bis fĂŒnf. In den Melananthus ist nur ein Samen pro Frucht zu finden.
Samen
Die GröĂe der Samen betrĂ€gt zwischen 0,75 mm (Darcyanthus) bzw. 0,6 bis 1 mm (Schwenckia, in Schwenckia micrantha nur 0,3 bis 0,4 mm) und 7 bis 8 mm (Jasminosolanum) groĂen Samen. Die Form ist mehr oder weniger gestaucht, scheiben- oder nierenförmig (in der Unterfamilie Solanoideae und in den Gattungen Combera, Spaltblumen (Schizanthus), Trompetenzungen (Salpiglossis)), linsen- bis nierenförmig (in der Nachtschatten- (Solanum) Untergattung Leptostemonum), bumerangförmig oder bacilliform (viele Vertreter der Unterfamilie Juanulloideae), gestreckt und dĂŒnn (Trianaea) oder relativ dick und nicht gestaucht in verschiedenen Formen (innerhalb der Unterfamilie Cestroideae).
Samenschale
Die Samenschalen treten in verschiedensten Varianten auf: In den Gattungen Sessea und Oryctes ist ein dĂŒnner, peripherer, verholzter FlĂŒgel ein alleinstellendes Merkmal; in einigen Arten der Leptostemonum, einer Untergattung der Nachtschatten (Solanum), ist ein breiter FlĂŒgel ausgebildet; manchmal ist die Samenschale bemerkenswert dick, so wie bei den Engelstrompeten (Brugmansia). Die OberflĂ€che kann glatt (Melananthus), netzartig (Juanulloa), höckerig (Solanum chamaesarachidium, Capsicophysalis) oder wabenartig (Acnistus, Witheringia) sein.
Die Zellen der Samenschalen können dickwandig (Spaltblumen (Schizanthus)), mit einem gewellten oder welligen Rand versehen (Ectozoma, Spaltblumen (Schizanthus)), tief (Triguera, Witheringia, Jaborosa) oder flach (Brachistus), eiförmig oder netzartig-eiförmig (Hyoscyamus) sein. Ein besonderer Fall sind die Samen der Tomaten (Solanum lycopersicum), deren Ă€uĂerste Schicht der Samenschale schleimig ist und, wenn diese trocknet, den Samen wie mit trichomartigen HĂ€rchen bedeckt erscheinen lĂ€sst.
Embryo
Ein wichtiges Merkmal zur morphologischen Bestimmung und Systematisierung von NachtschattengewÀchsen ist der im Samen enthaltenen Embryo. Er kann dick (Schultesianthus) oder schlank (Markea), gerade, manchmal lang (in Metternichia: 17 bis 19 mm), manchmal kurz (in Sessea nur knapp 2 bis 3 mm), leicht gekurvt (in den Unterfamilien Anthocercidoideae, Cestroideae und Juanulloideae), wurmförmig (Ectozoma, Anthocercis), ringförmig (Tribus Benthamielleae) oder schraubenförmig bis fast schraubenförmig (in den Unterfamilien Solanoideae, Salpiglossoideae und den Gattungen der Spaltblumen (Schizanthus) und Solandra) sein.
Zudem gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Kotyledonen geformt sein können: Drei Arten der Tribus Cestreae und die Gattungen Merinthopodium, Markea und Juanulloa haben durchgehend Embryos mit breiten Kotyledonen, wĂ€hrend der Rest der Familie Kotyledonen aufweist, die genauso breit sind wie der restliche Embryo. Weiterhin ist das VerhĂ€ltnis der GröĂe von Embryo und Kotyledonen innerhalb der Familie unterschiedlich: Die Unterfamilie Anthocercidoideae sind die Kotyledonen nur ein Sechstel bis ein Achtel so lang wie der restliche Embryo, in allen anderen Unterfamilien kommen Kotyledonen vor, die genauso lang bis 2,5 bis dreimal kĂŒrzer als der restliche Embryo sind. GroĂe Aufmerksamkeit bei morphologischen Untersuchungen der Samen erhĂ€lt auch die Art, in der die Kotyledonen innerhalb des Samens angeordnet sind. In den Unterfamilien Solanoideae, Cestroideae, Salpiglossoideae und Schizanthoideae liegen die Kotyledonen oben oder leicht schief, die Juanulloideae haben hingegen anliegende, in seltenen FĂ€llen schiefliegende Kotyledonen.
Ălige Endosperme sind innerhalb der Familie sehr selten. Dieses Merkmal vor allem in der Unterfamilie Juanulloideae und in der Gattung Metternichia zu finden. Die Entwicklung des Endosperms ist fĂŒr gewöhnlich zellulĂ€r, Ausnahme ist die Gattung der Spaltblumen (Schizanthus) mit nukleĂ€rer Entwicklung.
Verbreitung
Die Gattungen der NachtschattengewĂ€chse sind weit ĂŒber die gesamte Welt verteilt. Es gibt einige kosmopolitisch vorkommende Gattungen wie Bocksdorne (Lycium), Blasenkirschen (Physalis) und Nachtschatten (Solanum), aber auch Gattungen, die nur in einzelnen Florenreichen vorkommen. Es gibt einige endemisch vorkommende Gattungen, so beispielsweise Nothocestrum auf Hawaii, Normania auf den Kanarischen Inseln sowie Combera und Benthamiella in Patagonien. Die Gattungen Bouchetia, Grabowskia, Leptoglossis, Leucophysalis, WeiĂbecher (Nierembergia) und die Petunien (Petunia) haben disjunkte Verbreitungsgebiete.
Die Mannigfaltigkeit der NachtschattengewĂ€chse SĂŒdamerikas ĂŒbertrifft die aller anderen Kontinente und Subkontinente. Neben den kosmopolitisch verbreiteten Gattungen sind in den Anden 13 nur dort vorkommende Gattungen zu finden, in den Anden und SĂŒdost-SĂŒdamerika weitere drei Gattungen. Eine Gattung (Sessea) kommt sowohl in SĂŒdamerika als auch auf den Antillen vor, es existieren 14 Endemiten und die schon erwĂ€hnten Gattungen mit disjunkten Verbreitungsgebieten. SĂŒdamerika ist mit einer groĂen Anzahl an vorkommenden Wildarten ebenfalls das Genzentrum wichtiger Kulturpflanzen wie Kartoffel, Paprika, Tabak und Tomate.
Geht man von der Anzahl der vorhandenen Gattungen aus, sind die NachtschattengewÀchse in Afrika mit nur acht Gattungen relativ schwach vertreten. Mit den Nachtschatten (Solanum) und Bocksdornen (Lycium) findet man zwei der drei kosmopolitisch vorkommenden Gattungen; daneben mit Triguera und den Alraunen (Mandragora) zwei Gattungen, die Afrika mit Europa gemeinsam hat. Des Weiteren gibt es mit den BilsenkrÀutern (Hyoscyamus) und Withania zwei Gattungen, die sowohl in Asien, Europa und Afrika vorkommen und eine einzelne Art des Tabaks (Nicotiana) aus Namibia, sowie die endemische Gattung Discopodium.
In Asien kommen zum einen die drei kosmopolitischen Gattungen vor, weiterhin die nur in Asien vorkommende Gattung Tubocapsicum. Zudem existieren hier die auch in Europa zu findenden Tollkirschen (Atropa) und die Alraunen (Mandragora) und die mit Amerika gemeinsamen Gattungen Lycianthes, BilsenkrÀuter (Hyoscyamus) und Withania. Somit gibt es in Asien insgesamt neun der Nachtschatten-Gattungen.
Die Unterfamilie Anthocercidoideae mit sieben Gattungen kommt ausschlieĂlich in Australien vor. Zudem gibt es hier 18 endemische Arten der Gattung Tabak (Nicotiana) und eine groĂe Anzahl Arten aus anderen Gattungen.
Chromosomenzahl
Mehr als 50 % der untersuchten Arten der NachtschattengewĂ€chse weisen eine Basis-Chromosomenzahl von x = 12 {\displaystyle x=12} auf, wobei auch x = 7 {\displaystyle x=7} und x = 13 {\displaystyle x=13} hĂ€ufig vorkommen. Die gröĂte Varianz ist innerhalb der Unterfamilie Cestroideae zu finden, in der alle Chromosomenzahlen von x = 7 {\displaystyle x=7} bis x = 13 {\displaystyle x=13} auftauchen. GroĂe Unterschiede treten auch in der Unterfamilie Solanoideae auf, hier wurden neben den hĂ€ufigen x = 10 , 12 , 14 , 17 {\displaystyle x=10,12,14,17} auch Chromosomenzahlen von x = 13 {\displaystyle x=13} (bei einigen Arten des Paprika (Capsicum)cite-ref-pozzobon06-7-0[7] und einem Kultivar der Tomate (Solanum lycopersicum)), x = 15 {\displaystyle x=15} (Solanum bullatum) und x = 23 {\displaystyle x=23} (Nachtschatten (Solanum), Untergattung Archaesolanum) festgestellt. Die weiteren Unterfamilien besitzen Chromosomenzahlen von x = 12 {\displaystyle x=12} (Juanulloideae), x = 11 {\displaystyle x=11} (Salpiglossoideae), x = 10 {\displaystyle x=10} (Schizanthoideae, Anthocercidoideae) oder x = 9 {\displaystyle x=9} (Anthocercidoideae).
Nicht selten tritt Polyploidie innerhalb der Familie auf, bekannt ist diese VervielfĂ€ltigung der Chromosomenzahl aus den WeiĂbechern (Nierembergia), Withania, Blasenkirschen (Physalis), Quincula, Chamaesaracha, Nachtschatten (Solanum)-Sektionen Solanum und Petota und -Unterfamilien Leptostemonum und Archaesolanum, Alraunen (Mandragora) und Bocksdornen (Lycium). Zwei Berichten zufolgecite-ref-edmonds97-8-0[8] wurden aus der Nachtschatten (Solanum)-Sektion Solanum Pflanzen gefunden, die octoploide ChromosomensĂ€tze mit 2 n = 8 x = 96 {\displaystyle 2n=8x=96} Chromosomen besitzen.
Systematik
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Hauptartikel
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Systematik der NachtschattengewÀchse
ĂuĂere Systematik
Die NachtschattengewÀchse werden in die Ordnung der Nachtschattenartigen eingeordnet, wo sie eine Schwesterklade zu den WindengewÀchsen (Convolvulaceae) bilden. Beide Familien wiederum bilden ein monophyletisches Taxon, welches eine Schwesterklade zu den Familien Hydroleaceae, Sphenocleaceae und Montiniaceae bildet.
Kladogramm nachcite-ref-cosner94-9-0[9]
Innere Systematik
Die Anzahl der Gattungen innerhalb der Familie liegt bei 90 bis 100, die Angabe zur Anzahl der Arten schwankt je nach Quelle und Autor zwischen 2.300cite-ref-foc-10-0[10] und 9.000 bis 10.000cite-ref-knapp02-6-2[6] Arten. Eine SchÀtzung aus dem Jahr 2007 geht von 2716 anerkannten Arten aus.cite-ref-olmstead07-1-1[1]
Die letzte bis auf Art-Ebene vollstĂ€ndige taxonomische Darstellung der Familie wurde 1852 von Michel FĂ©lix Dunal veröffentlicht, spĂ€tere Arbeiten betrachten meist nur einen kleinen, botanisch oder regional begrenzten Teil der Familie oder sind nur bis auf Gattungs-Ebene vollstĂ€ndig.cite-ref-knapp04-11-0[11] Neuere, phylogenetische Untersuchungen sind aufgrund der GröĂe der Gattung noch nicht vollstĂ€ndig vorhanden, so dass in Zukunft mit neuen Erkenntnissen ĂŒber die Familien-Systematik und damit weiteren Ănderungen gerechnet werden muss.
Die folgende Systematik orientiert sich an der Arbeit von Richard Olmstead et al. aus dem Jahr 2008,cite-ref-olmstead08-12-0[12] Ănderungen dazu sind mit Einzelnachweisen gekennzeichnet:
âą Ohne Zuordnung in eine Unterfamilie: Duckeodendron, Schizanthus
âą Unterfamilie Goetzeoideae Thorne & Reveal: Coeloneurum, Espadaea, Goetzea, Henoonia, Metternichia, Tsoala
âą Tribus Benthamielleae Hunz. (evtl. auch in die Unterfamilie Cestroideae eingeordnet): Benthamiella, Combera, Pantacantha
âą Unterfamilie Cestroideae Burnett:
âą Ohne Zuordnung zu einer Tribus: Protoschwenckia
âą Tribus Browallieae Hunz.: Browallia, Streptosolen
âą Tribus Salpiglossideae Benth.: Reyesia, Salpiglossis
âą Tribus Petunieae Horan.: Bouchetia, Brunfelsia, Calibrachoa, Fabiana, Hunzikeria, Leptoglossis, Nierembergia, Petunia, Plowmania
âą x=12-Klade (Ohne Rang)
âą Unterfamilie Nicotianoideae Miers:
âą Tribus Anthocercideae G. Don: Anthocercis, Anthotroche, Crenidium, Cyphanthera, Duboisia, Grammosolen, Symonanthus
âą Nicotiana
âą Unterfamilie Solanoideae Kostel.:
âą Atropina (Ohne Rang):
âą Tribus Hyoscyameae: Anisodus, Atropanthe, Atropa, Hyoscyamus, Physochlaina, Przewalskia, Scopolia
âą Tribus Capsiceae DâArcy: Capsicum, Lycianthes
âą Tribus Datureae Dumort.: Brugmansia, Datura, Iochroma cardenasianum
âą Tribus Juanulloeae Hunz.: Dyssochroma, Juanulloa, Markea (incl. Hawkesiophyton), Merinthopodium, Trianaea
âą Tribus Physaleae DâArcy:
âą Subtribus Withaninae Bohs & Olmstead: Athenaea, Aureliana, Discopodium, Nothocestrum, Tubocapsicum, Withania (incl. Archiphysalis, Physaliastrum, Mellissia)
âą Subtribus Physalinae (Miers) Hunz.: Brachistus, Calliphysaliscite-ref-whitson12-13-0[13], Capsicophysaliscite-ref-averett09-14-0[14], Chamaesaracha, Leucophysalis, Margaranthus, Oryctes, Physalis, Quincula, Schraderanthuscite-ref-averett09-14-1[14], Tzeltalia, Witheringia
âą Salpichroina (ohne Rang): Nectouxia, Salpichroa
Inhaltsstoffe
Vor allem aufgrund der groĂen Anzahl und der unterschiedlichen Einsatzgebiete von Nahrungs- und Heilpflanzen innerhalb der NachtschattengewĂ€chse wurde die Familie relativ frĂŒh in phytochemischen Arbeiten untersucht. Mit der Untersuchung neuer Arten wurden immer weitere Inhaltsstoffe gefunden, so dass die Arbeit an dieser Familie weiterhin interessant blieb und damit eine sehr groĂe Anzahl an phytochemischen Untersuchungen zu den NachtschattengewĂ€chsen vorliegt.cite-ref-pedersen02-15-0[15]
Vor allem Alkaloide und Steroide haben eine bedeutende Stellung als charakteristische sekundÀre Pflanzenstoffe innerhalb der Familie.
Alkaloide
Insgesamt wurden neun Alkaloid-Gruppen innerhalb der Familie nachgewiesen, wobei die Tropanalkaloide (Beispiel Atropin) die am meisten verbreitete Gruppe ist und in fĂŒnf Unterfamilien (Solanoideae, Cestroideae, Salpiglossoideae, Schizanthoideae und Anthoceridoideae) in mindestens 33 Gattungen auftaucht. Andere nachgewiesene Alkaloid-Gruppen sind Steroidalkaloide, Pyrrolalkaloide, Pyrazolalkaloide, Pyridinalkaloide, Imidazolalkaloide, Aliphatische Alkaloide oder alkaloide Amine und Amide, Chinolinalkaloide und Indolalkaloide.
Das bekannteste Alkaloid der NachtschattengewÀchse ist das Pyridinalkaloid Nikotin aus der Tabakpflanze (Nicotiana sp.), weitere bekannte Alkaloide sind Hyoscyamin, Atropin, Scopolamin und Capsaicin.
Aufgrund der speziellen pharmakologischen Eigenschaften dieser Alkaloide wurden die Gewinnungsverfahren aus den unterschiedlichen Pflanzenteilen und die chemischen Eigenschaften der einzelnen Verbindungen in ausfĂŒhrlichen Ăbersichten beschrieben.cite-ref-16[16]
In der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts spielten diese Alkaloide in verschiedenen Mischungen und Dosierungen eine wichtige Rolle als Therapeutika.cite-ref-17[17]
Steroide
Die meisten Steroide der NachtschattengewĂ€chse sind vor allem als primĂ€re Inhaltsstoffe eingeordnet, nur wenige können zu den sekundĂ€ren Inhaltsstoffen gezĂ€hlt werden. Vor allem Phytosterine wie Cholesterin, ÎČ-Sitosterol, Stigmasterin und Campesterin sowie deren Glykoside und Ester, aber auch Steroidlactone in zahlreichen Varianten sind innerhalb der ganzen Familie vorhanden.cite-ref-pedersen02-15-1[15]
Eine der phytochemisch interessantesten Gruppen der Steroidlactone ist die der Withanolide, von denen bisher ĂŒber 300 aus der Unterfamilie Solanoideae isoliert werden konnten, in allen anderen Unterfamilien jedoch kein einziges. Sie dienen der Pflanze, Ă€hnlich wie die Alkaloide, zur Abwehr von Fressfeinden.
Weitere Inhaltsstoffe
Charakteristisch fĂŒr NachtschattengewĂ€chse ist das Vorkommen von Cumarinen, welche auch von den DoldenblĂŒtlern bekannt sind. Cumarinfreie Arten sind innerhalb der NachtschattengewĂ€chse nicht bekannt. NachtschattengewĂ€chse enthalten selten gröĂere Mengen an Ă€therischen Ălen, iridoide Verbindungen scheinen in der Familie nicht vorzukommen. NachtschattengewĂ€chse bilden zwar Polyphenole, jedoch keine echten Gerbstoffe. An Flavonoiden sind mit Kaempferol und Quercetin vor allem Flavonole vorhanden, Flavone sind weniger verbreitet.cite-ref-pedersen02-15-2[15]
Bedeutung fĂŒr den Menschen
Nahrungsmittel
Viele NachtschattengewĂ€chse werden vom Menschen als Nahrungsmittel genutzt. Obwohl meist die FrĂŒchte geerntet werden, wird bei der wichtigsten Nahrungspflanze, der Kartoffel, ein anderer Pflanzenteil, nĂ€mlich die unter der Erde wachsende Knolle, verwendet. 2005 lag die Weltproduktion von Kartoffeln bei 324,5 Mio. Tonnen (388 Mio. Tonnen im 2017). Weitere wichtige Nahrungsmittel unter den NachtschattengewĂ€chsen sind Tomaten mit einer Jahresproduktion von 124,7 Mio. Tonnen (2017: 182,3 Mio. Tonnen), Auberginen mit 30,8 Mio. Tonnen (2017: 52,3 Mio. Tonnen) und Paprika bzw. Chilis mit 24,7 Mio. Tonnen (2017: 36 Mio. Tonnen) frischen und 2,6 Mio. Tonnen (2017: 4,6 Mio. Tonnen) getrockneten FrĂŒchten. Alle Angaben beziehen sich auf das Jahr 2005, resp. ergĂ€nzt mit Angaben zu 2017.cite-ref-faostat-18-0[18] WĂ€hrend die Aubergine wahrscheinlich aus dem sĂŒdlichen Asien stammt, wurden Kartoffel, Tomate und Paprika in prĂ€kolumbianischen Kulturen Mittel- und SĂŒdamerikas domestiziert.
Weitere als Nahrungspflanzen genutzte Vertreter der Familie, deren Produktionszahlen nicht an die bisher genannten heranreichen, sind einige Arten der Gattung Nachtschatten, wie Pepino, Tamarillo, Lulo,cite-ref-bruecher68-19-0[19] verschiedene Arten der Blasenkirschen,cite-ref-mansfeld54-20-0[20] seltener auch Bocksdorn oder Jaltomata.
Gelegentlich wird berichtet, dass selbst als Giftpflanzen behandelte Arten als Nahrungsmittel genutzt werden. Beispielsweise werden laut verschiedenen Veröffentlichungen die BlĂ€tter und jungen Sprosse des Schwarzen Nachtschattens als GemĂŒse zubereitet. Oftmals wird der Giftgehalt durch mehrmaliges Kochen bzw. Zugabe von möglicherweise entgiftenden Zutaten wie Milch gemindert. Auch die reifen FrĂŒchte des Schwarzen Nachtschattens und verwandter Arten sollen gelegentlich, zum Teil nachdem sie zuvor gekocht worden sind, gegessen werden.cite-ref-edmonds97-8-1[8]
Die drei wichtigsten Nahrungspflanzen unter den NachtschattengewĂ€chsen â Kartoffel, Tomate und Paprika â stammen ursprĂŒnglich aus SĂŒd- und Mittelamerika, wo sie zum Teil schon seit mehreren tausend Jahren als Nahrung genutzt wurden. Reste von Kartoffelschalen wurden bei Ausgrabungen in Chile gefunden und auf etwa 11.000 Jahre v. Chr. datiert.cite-ref-history1-21-0[21]cite-ref-history2-22-0[22] Die Ă€ltesten bekannten Belege ĂŒber die Kultivierung und damit Zuchtformen von NachtschattengewĂ€chsen sind in etwa 6.000 Jahre alt und stammen von Arten des Paprika.cite-ref-23[23]
Der Zeitpunkt, zu dem die Aubergine ĂŒber die arabische Welt nach Europa eingefĂŒhrt wurde, ist nicht genau zu bestimmen. Es ist wahrscheinlich, dass die römischen und griechischen Kulturen die Pflanze noch nicht kannten, die Verwendung im arabischen Raum ist seit dem 11. Jahrhundert belegt. Die erste Beschreibung der Aubergine aus Europa stammt aus der Historia stirpium (1542) von Leonhart Fuchs, der dort bereits ihren Einsatz als Nahrungsmittel erwĂ€hnt.cite-ref-history1-21-1[21]
Vor allem die aus Amerika eingefĂŒhrten Pflanzen wurden zunĂ€chst meist als exotische Zierpflanzen gezogen, der kulinarische Wert wurde oft erst nach langer Zeit entdeckt. Jedoch erreichten in Europa vor allem die Kartoffel, aber auch die Tomate bis zum 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle als Nahrungsmittel, so dass beide Pflanzen von europĂ€ischen Auswanderern erneut ĂŒber den Atlantik gebracht wurden, um sie in Nordamerika zu kultivieren.cite-ref-history1-21-2[21]cite-ref-history2-22-1[22] Die gewachsene AbhĂ€ngigkeit von der Kartoffel als Nahrungsmittel wurde vor allem wĂ€hrend der GroĂen Hungersnot in Irland in der Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich, die durch mehrere krankheits- und schĂ€dlingsbedingte Missernten der bis dahin ĂŒblichen Kartoffel-Monokulturen ausgelöst wurde.
Mystische Pflanzen, Genuss- und Rauschmittel
Viele der in NachtschattengewĂ€chsen enthaltenen Alkaloide stellen einen Schutz vor Fressfeinden dar, da sie oftmals giftig sind und vor allem bei SĂ€ugetieren und dem Menschen auf das zentrale Nervensystem wirken und unter anderem Halluzinationen oder Drogenpsychosen auslösen, jedoch auch bis zum Tod fĂŒhren können. Belege ĂŒber den Einsatz von NachtschattengewĂ€chsen als Rauschmittel sind schon aus den antiken Kulturen der Griechen, Römer, Araber und HebrĂ€er bekanntcite-ref-lee06ii-24-0[24]cite-ref-lee06iii-25-0[25], aber auch aus vielen anderen Kulturen sind Berichte ĂŒber Einsatzmethoden zur Erzeugung rauschartiger ZustĂ€nde ĂŒberliefert.cite-ref-fuehner25-26-0[26]cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]
Als Rauschmittel bekannte NachtschattengewÀchse sind unter anderem die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum), die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna), das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), verschiedene StechÀpfel (Datura sp.) und die Engelstrompeten (Brugmansia). Die wirtschaftlich bedeutendste Genuss- und Rauschpflanze unter den NachtschattengewÀchsen ist jedoch der Tabak (Nicotiana tabacum u. a.), dessen Welternte 2005 unverarbeitet 6,6 Mio. Tonnen betrug.cite-ref-faostat-18-1[18]
Um die Rauschwirkung zu erzielen, werden verschiedene Methoden beschrieben, unter anderem Essen verschiedener Pflanzenteile, Rauchen von BlĂ€ttern und FrĂŒchten, Einreiben mit Salben aus Pflanzenextrakten, Versetzen von GetrĂ€nken mit FrĂŒchten und Samen.cite-ref-fuehner25-26-1[26]
Eine besondere Bedeutung als mystische Pflanze erhielt vor allem die Gemeine Alraune (Mandragora officinarum), deren verzweigte Pfahlwurzel oft mit der Form eines menschlichen Körpers verglichen wurde. In einer der Ă€ltesten Geschichten der Bibel, Genesis 30,14â16 , wird eine Pflanze namens dudai erwĂ€hnt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Alraune identisch ist. Aus dem antiken Griechenland sind erste ErwĂ€hnungen der Pflanze aus der Zeit um 400 v. Chr. bekannt, Theophrastus erwĂ€hnte um 230 v. Chr. neben medizinischen Einsatzmöglichkeiten auch die Verwendung als Aphrodisiakum. Weitere ErwĂ€hnungen der Pflanze finden sich auch in Aufzeichnungen aus dem Römischen Reich, nach dessen Zusammenbruch wird die Alraune zunĂ€chst wenig erwĂ€hnt.cite-ref-lee06ii-24-1[24] Erst zwischen 1200 und 1600 gewinnt die Pflanze wieder an mystischer und spiritueller Bedeutung, sie wird als Talisman geschĂ€tzt. Es ranken sich jedoch zugleich diverse Mythen um die Pflanze. Oftmals wird berichtet, dass die Pflanze die Kraft besitze, Menschen zu töten, die die Wurzel ausgraben wollen. Mit der stĂ€rker werdenden Hexenverfolgung taucht die Alraune immer wieder als Zutat der sogenannten Hexensalben auf, auch andere NachtschattengewĂ€chse wie Bilsenkraut, Stechapfel oder Tollkirsche findet man in diesem Zusammenhang.cite-ref-lee06ii-24-2[24]
Die Legende von Odysseus, dessen GefĂ€hrten durch die Zauberin Kirke in Schweine verwandelt werden, wird oft auf eine Gabe von Bilsenkraut (Hyoscyamus) und die dadurch hervorgerufenen Halluzinationen zurĂŒckgefĂŒhrt. Das Bilsenkraut wird auch als Zugabe zu BĂ€dern in mittelalterlichen Badestuben aufgefĂŒhrt, um dort die FreizĂŒgigkeit zu fördern. Weiterhin wurden die Samen auch als Zusatz zu Bier verwendet. Oftmals wurde dies verboten, beispielsweise durch eine Polizeiordnung von 1507 aus EichstĂ€tt oder das bayerische Reinheitsgebot von 1516.cite-ref-fuehner25-26-2[26] Weitere BerĂŒhmtheit erlangte das Bilsenkraut durch den Mordprozess aus dem Jahr 1910 gegen Hawley Crippen, der seine Ehefrau mit Hyoscin, dem giftigen Alkaloid der Pflanze, umbrachte. Besondere Beachtung erlangte der Fall zum einen dadurch, dass die Verhaftung Crippens möglich gemacht wurde, indem erstmals die Kommunikation per Telegramm zwischen Europa und Amerika fĂŒr diese Zwecke benutzt wurde. Andererseits gilt die Ermittlung und BeweisfĂŒhrung vor Gericht als erster Einsatz der forensischen Medizin: Der Toxikologe William Willcox extrahierte aus dem Mageninhalt, dem Darm, den Nieren und der Leber der Leiche das Alkaloid, das zur Vergiftung fĂŒhrte, und konnte anhand des Schmelzpunktes nachweisen, dass es sich dabei um Hyoscin handelte.cite-ref-lee06iii-25-1[25]
Ende der 1990er Jahre wurde bei Untersuchungen des Drogenkonsumverhaltens Jugendlicher eine verstĂ€rkte Einnahme pflanzlicher Halluzinogene festgestellt. Dabei wurden den Umfrageergebnissen zufolge pflanzliche âModedrogenâ der 1970er Jahre, wie der Peyote-Kaktus oder Ayahuasca, kaum noch verwendet. Es wurde jedoch neben verstĂ€rkter Verwendung verschiedener psychoaktiver Pilze (z. B. Psilocybe sp.) eine Zunahme des Konsums von NachtschattengewĂ€chsen wie Engelstrompeten und Stechapfel festgestellt. Von den Konsumenten werden diese Rauschmittel fĂ€lschlicherweise oft als ungefĂ€hrlich eingestuft.cite-ref-loehrer99-29-0[29]
Einsatz in der Medizin
Die Entwicklung der medizinischen Nutzung der NachtschattengewĂ€chse ist eng mit der Geschichte als Rauschmittel verbunden, oftmals lĂ€sst sich die historisch belegte Verwendung schlecht in eine der Kategorien einordnen. Eine erste belegte rein medizinische Verwendung der NachtschattengewĂ€chse stammt aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. vom griechischen Arzt Dioskurides, der beschreibt, wie mit Alraunenwurzel versetzter sĂŒĂer Wein zur Narkose von Patienten vor chirurgischen Eingriffen benutzt wird.cite-ref-roth-30-0[30] Viele NachtschattengewĂ€chse sind in verschiedenen Kulturen in der Volksmedizin bekannt, beispielsweise wird Bilsenkraut zur SchmerzbekĂ€mpfung, bei Keuchhusten, GeschwĂŒren oder UnterleibsentzĂŒndungen eingesetzt.cite-ref-hiller-31-0[31] Zur Verwendung des Schwarzen Nachtschatten (Solanum nigrum) und verwandter Arten gibt es fast weltweit Belege als Mittel gegen verschiedene Erkrankungen, vor allem gegen Fieber und EntzĂŒndungen des Verdauungstraktes.cite-ref-edmonds97-8-2[8] In Brasilien gilt die Dama da Noite (Cestrum laevigatum) nicht nur als Rauschmittel, sondern auch als Antiseptikum, Sedativum, Emolliens (Linderungsmittel) und Leberstimulans.cite-ref-hiller-31-1[31] Lange Zeit galt auch das Verbrennen und Einatmen des Rauches von Datura-BlĂ€ttern als Mittel gegen Asthma.cite-ref-braun-32-0[32]
Bekanntestes aktuelles Einsatzgebiet der NachtschattengewĂ€chse ist die Verwendung von aus Paprika (Capsicum) gewonnenen Capsaicin-Extrakten zur Durchblutungsförderung unter anderem bei Rheuma. Obwohl der Name des ABC-Pflasters noch auf den Inhaltsstoff Belladonna (Tollkirsche (Atropa belladonna, Atropin enthaltend)) hinweist, wird dieser heute nicht mehr verwendet. Jedoch werden Extrakte aus der Tollkirsche in der Augenheilkunde zur Pupillenerweiterung und bei Magen-Darm-Erkrankungen verwendet. Weiterhin werden Extrakte aus den Samen des Stechapfels gegen Asthma, Extrakte aus dem BittersĂŒĂen Nachtschatten (Solanum dulcamara) gegen Ekzeme und Rheuma sowie das Nikotin verschiedener Tabake zur Entwöhnung von Rauchern beispielsweise mit Nikotinpflastern oder -kaugummis verwendet. KartoffelstĂ€rke wird als Zusatz zu medizinischen Pudern gebraucht. Das Bilsenkraut hat heute nur noch selten Bedeutung in der Medizin, Extrakte sind nur noch in wenigen Asthmamitteln und Salben zu finden.cite-ref-braun-32-1[32]
Zierpflanze
Durch die meist zahlreichen und vielfarbigen, zum Teil auch ungewöhnlich geformten BlĂŒten der NachtschattengewĂ€chse werden viele Vertreter der Familie als Zierpflanzen geschĂ€tzt. Verschiedene Hybriden der Petunien wie die Surfinia-Petunien zĂ€hlen zu den beliebtesten und wirtschaftlich bedeutendsten Balkonblumen, Engelstrompeten werden aufgrund ihrer auĂergewöhnlich groĂen BlĂŒten in KĂŒbeln gezogen. Als Ziertabak bezeichnete Arten und Hybriden des Tabaks zeichnen sich durch auffĂ€llige, stark duftende BlĂŒten in verschiedenen Farben aus. In den letzten Jahren wurde Lycianthes rantonnei, auch Enzianstrauch oder Kartoffelbaum genannt, durch seine vielen dunkelblauen BlĂŒten als KĂŒbelpflanze sehr beliebt. Verschiedene buntblĂŒhende BĂŒsche, beispielsweise aus den Gattungen Bocksdorne oder Spaltblumen (Schizanthus), werden gerade in wĂ€rmeren Lagen zur GrĂŒnflĂ€chengestaltung genutzt. Aber auch wegen der dekorativ aussehenden FrĂŒchte einiger NachtschattengewĂ€chse werden diese in Zierformen gezogen, beispielsweise die Lampionblume (Physalis alkegengi), verschiedene ZĂŒchtungen des Paprika, der Korallenstrauch (Solanum pseudocapsicum) oder die Kuheuterpflanze (Solanum mammosum).
Quellen und weiterfĂŒhrende Informationen
Hauptquellen
âą Armando T. Hunziker: The Genera of Solanaceae. A.R.G. Gantner Verlag K.G., Ruggell, Liechtenstein 2001, ISBN 3-904144-77-4.
âą J. G. Hawkes et al. (Hrsg.): Solanaceae III: Taxonomy, Chemistry, Evolution. Royal Botanic Gardens, Kew 1991, ISBN 0-947643-31-1.
âą M. Nee et al. (Hrsg.): Solanaceae IV, Advances in Biology and Utilization. Royal Botanic Gardens, Kew 1999, ISBN 1-900347-90-3.
Anmerkung: Um eine Einheitlichkeit in der Bezeichnung der Untertaxa zu gewĂ€hrleisten, wird im Artikel die Systematik nach Hunziker (The Genera of Solanaceae) verwendet. SpĂ€tere, allgemein anerkannte Umordnungen, beispielsweise die Einordnung der Gattungen Lycopersicon und Cyphomandra in die Gattung Solanum wurden ebenfalls berĂŒcksichtigt.
Einzelnachweise
cite-note-marzellzit-22. â Zitiert nach Marzell, Band 4, Seite 366.
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Weblinks
Commons
: NachtschattengewÀchse
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Solanaceae bei APG (englisch)
âą Beschreibung der Familie (deutsch)
âą SOL Genomics Network (englisch)
âą Theodor C. H. Cole: Solanaceae Phylogeny Poster (SolPP), 2022. Abgerufen am 11. September 2022 (englisch).